Zur Geschichte der Firma


An einem Samstag im März 1893, genauer gesagt am 25. öffneten sich zum ersten Mal die Pforten derWesthoffschen Buchhandlung in Steele. Gegründet wurde die Firma durch Martin Westhoff, dessen Namen sie heute noch trägt. Mehr ist nicht bekannt über diese ersten Jahre. Auch über die genaue Adresse in den ersten zehn Jahren wissen wir nicht Bescheid. Mündlicher Überlieferung zufolge soll die Buchhandlung im Bereich Grendplatz/Westfalenstraße zu finden gewesen sein. Innerhalb der ersten zehn Jahre muss es bereits einen Inhaberwechsel gegeben haben: Martin Westhoffs Neffe Fritz Vollmer übernahm die Firma. Im Jahre1902 beauftragte dieser den Architekten Richard Stracke aus Remscheid mit Entwurf und Planung eines dreigeschossigen Wohn- und Geschäftshauses an der Paßstraße. Dieses wurde bereits 1903 errichtet und fertiggestellt, wie man auch heute noch der Jahreszahl an der Fassade entnehmen kann. Fritz Vollmer wählte seinerzeit für die Fassade den Spruch: "Allen, die mich kennen, gebe Gott was sie mir gönnen."  Die  Original-Pläne des Hauses sind erhalten. Sehr schön lässt sich erkennen, dass der Bau abweichend davon ausgeführt wurde.

 

 

Aus den 1910er und 1920er Jahren ist je eine Original-Rechnung erhalten, die uns eine Kundin vor vielen Jahren aus dem Nachlass ihres Großvaters freundlicherweise überlassen hat.  Interessanterweise weist der Briefkopf der älteren Rechnung (1914) eine modernere Schrifttype auf als der der jüngeren Rechnung (1921).

 

 

 

 

Ein Zeugnis über die 1930er Jahre findet sich in Gisbert Kranz' Buch: "Eine katholische Jugend im DrittenReich. Erinnerungen 1921 - 1947" (Herder Verlag, Freiburg 1990) - auf Seite 112:

 

"...Dem Rat meines alten Religionslehrers Heinrich Dresen folgend, der mir bei einem Besuch 1938 in meiner Wohnung in Steele gesagt hatte, ich müsse mir eine eigene Bibliothek aufbauen, kaufte ich eine Menge Bücher. Jahrelang war ich Stammkunde der Westhoffschen Buchhandlung in Steele an der Paßstraße. Ihr Inhaber, Herr Vollmer, war evangelisch, seine Töchter, die mich oft bedienten, katholisch. Hier kaufte ich unter anderem das Lexikon für Theologie und Kirche, eine mehrbändige Dogmatik, ..."

 

Die Töchter, von denen Gisbert Kranz bedient wurde, waren Ruth und Carola Vollmer. Die dritte Tochter Gisela, wurde Lehrerin und unterrichtete an einer Klosterschule im Rheinland. Carola heiratete nach dem Krieg Heinrich Bast, der dann ebenfalls in der Buchhandlung arbeitete. Ruth und Carola führten die Firma als Inhaberinnen gemeinschaftlich nach dem Tode ihres Vaters fort. So vergingen die 1950er Jahre. Verbindungen auch zu Lehrern der umliegenden Schulen, besonders des naheliegenden Carl-Humann-Gymnasiums blieben nicht aus.  

Rudolf Kober, viele Jahre Kunstlehrer dort, wurde ein Freund der Familie. Als "Auftragsarbeit" malte er eine Ansicht der Paßstraße mit Laurentiuskirche, die als Geschenk für die weggezogene Schwester Gisela gedacht war. Nach ihrem Tode in den 1990er Jahren, kam es wieder in die Hände von Carola und Heinrich Bast. Heute hängt es in der Buchhandlung.  

 

Ebenfalls in den 1950er Jahren entstand eine Ansichtspostkarte, auf der auch die Buchhandlung abgebildet ist. Nur schwer erkennbar auf dieser Postkarte sind die Wahlplakate, die die Laternen auf der rechten Straßenseite "zieren".

 

 

Zum 1.Januar 1981 bekam die Westhoffsche Buchhandlung zum vierten Mal einen neuen Inhaber, erstmalig nicht aus dem familiären Umfeld. 

Das Ehepaar Annemarie und Reinhard Platzer führen seitdem die Buchhandlung gemeinsam. 

Seit 2004 begleitet uns eine lesende Keramikfigur, die meistens in unserem Schaufenster zu bewundern ist. Diese stammt aus der Bretagne.

Seit März 2005 haben wir endlich auch eine Handelsregistereintragung, die früher als Einzelfirma so nicht möglich war. So heißt die Firma seitdem offiziell "Westhoffsche Buchhandlung Platzer e.K." 

Unser Lieblingsverleger Werner Boschmann - "Bücher vonne Ruhr" hat für uns eine Postkarte (nach eigenem Entwurf) drucken lassen, die wir gerne an unsere Kunden verteilen: